Ja, auch ich habe nun also gestern mal teilgenommen beim Streik. Nachdem ich mir etwas Zeit freigeschaufelt habe. Also bin ich in den Hörsaal 3D, wo um 13h00 das Rektorat auftauchte, um sich einer Diskussion zu stellen.
Und ich muss sagen: Ich war positiv überrascht! Jedenfalls die ersten 45 Min. Als erstes lobte Herr Piper die Studenten dafür, dass er es gut fände, dass sie sich für ihre Interessen einsetzen würden (der Hörsaal ist seit letzten Dienstag durchgehend besetzt), er äußerte sich positiv zu den bisher so friedlich verlaufenden Protesten und solidarisierte sich so weit er konnte. Dass er nicht von heute auf morgen die Studiengebühren abschaffen kann ist klar. Und auch, dass er die Studienordnung nicht einfach mal so umschreiben kann. Er räumte ein, dass es bisher eine sehr schlechte Möglichkeit für Studenten gibt, zu verfolgen wo unsere Gebühren hinfließen, sicherte aber zu, dass dies bis Ende des Jahres auf einer eigens erstellten Website passieren sollte. Und er erzählte, dass die medizinischen Geräte der med.-Fak. aufgerüstet worden seien für viel Geld. Und auch ich persönlich muss sagen, ich habe die Gebühren schon gespürt; seit ich angefangen habe, sind einiges mehr an Lehrkräfte an unser Institut gekommen, es wird eine riesige neue Bibliothek für die Mediziner gebaut usw.
Aber es scheint Studenten zu geben, die dies nicht sehen wollen. Die einfach auf stur schalten und rein aus Prinzip gegen den Rektor, den „ausgemachten Feind“ wettern. Sie wollen die Abschaffung der Studiengebphren (hatten wir doch grade schonmal?!) aber gleichzeitig aber eine 75%ige Verbesserung der Lehre… Ähm. Rektor = Mensch. Rektor nicht gleich Zauberer. Wo soll das Geld denn herkommen? Von seinem eigenen Konto? Versteht mich nicht falsch, toll finde ich die Gebühren auch nicht!! Aber es gibt immerhin Möglichkeiten, einen Kredit zu bekommen und wenn ich die 500 Euro (respektive 700) mit den knapp 1000 vergleiche, die Weston und Andrea zahlen müssen, dann sieht das ganze nochmal ganz anders aus. Als ich mich am Ende mit Maike darüber unterhielt, meinte ein Student, der uns hörte, wir müssten uns doch nicht immer am schlechten Beispiel orientieren. Und es würde ja so viel Kohle in die Rüstungsindustrie gesteckt, aber nicht genug in die Bildung. Mhm. Ja. Richtig. Find ich auch so. Und was soll Herr Piper da machen? Er sagt ja selber, dass er das Geld, welches in die Abwrackprämie gesteckt wurde, besser in der Bildung untergebracht gefunden hätte. Kann er aber auch nix dran ändern. Und er sagt selber, er würde gerne vieles anders machen. Aber sein Job ist kein Wunschkonzert. Und das scheinen aber einige Studenten zu denken, jedenfalls vermitteln sie den Eindruck.
Was ich ja wichtiger gefunden hätte, wär auch mal über die Bachelor Sudiengänge zu sprechen, die wirklich so nix taugen. Aber nein, da diskutiert man den Großteil der 1 1/2 Stunden lieber über die Kohle, obwohl sich Herr Piper doch wirklich ausführlich dazu geäußert hatte. Da kamen wir nur auf den Punkt: „Ja, da muss sich was ändern, das sehe ich auch so. Aber nichts, was neu eingeführt wird, ist von Anfang an perfekt“. Ja, schon klar. Aber was können wir ändern??? „Die Studiengebühren abschaffen!!“ -_- Leute! Und als Herr Piper dann nach Mitarbeit und eigenen Vorschlägen fragte (wer kann die besser geben, als die, die drin stecken?) kamen plötzlich ganz abstruse Argumente auf. Wir seien in einer Demokratie, man müsse alle anhören. Mhm. Dann sind wir in 30 Jahren noch da, wo wir heute sind. Und die Wahlbeteiligung von 15% an den Fachschaftswahlens spricht ja auch für sich, oder?? Für sowas sind DIE doch da und wenn man Änderungen will, dann muss man DIE halt auch einfach mal wählen und sich die fünf Minuten nehmen.
Der Hammer kam aber noch. Als es um die Besetzung des Hörsaals ging. Was ich gar nicht wusste: Das Rektorat hat die ganze Besetzung mit Verpflegung aus der Mensa, Strom und Internet versorgt, die ganze Zeit. Jetzt sei es aber so, dass der Hörsaal nach einer Woche einfach geräumt werden müsse, da wieder regulär Unterricht statt finden müsse, da wir momentan eh ein Überbelegungsproblem haben (ach ja, noch so eine abstruse Forderung: Abschaffung des N.C. Mhm. Und dann? Ich mein, ein Studium ist ein Studium. Ich will mich jetzt nicht als überpriviligiert hinstellen, aber mal ganz provokativ: wo kämen wir denn hin, wenn wirklich ALLE studieren könnten…? Erstens würden die Unis dann vollkommen geflutet werden, eine vernünftige Bildung wäre gar nicht mehr möglich. Und die „Qualität“ unserer Akademiker würde auch erschreckend nachlassen). Er schmiss die Studenten jedoch nicht komplett raus, sondern sagte, sie müssten den Hörsaal räumen, dürften aber gerne ins Foyer (die bei uns wirklich groß genug sind!) ausweichen und würden auch dort weiterhin mit Essen, Strom und Internet versorgt. Und, was ist? „Sauerei!“ „Buuuh“. LEUTEE!!!!!! Man beißt nicht die Hand, die einen füttert! Und er hat doch verdammt nochmal recht! Es gibt einfach auch noch Studenten, die noch studieren wollen/müssen. Und denen sollte man das dann auch ermöglichen!
Also, alles in allem hat das ganze wirkich gut angefangen. Aber der sture Fanatismus, der da langsam aufkommt, wird den guten Streikenden wirklich noch Probleme bereiten. Und um es noch einmal deutlich zu sagen: Es MUSS sich was ändern. Auf jeden Fall. Aber man muss auch immer die Realität im Auge behalten und sich fragen, was wirklich geht und was nicht.
Zum Thema Bachelor Studium war übrigens gestern das Heute Journal an meiner Uni. Ich wäre auch fast im Fernsehen gewesen, aber die Kamera hat mich um wenige Zentimeter (jedenfalls in dieser Einspielung
) verpasst. Hier der Link zu der Sendung:
Heute Journal 23.11.
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